Un anno in Puglia
Nach dem Abitur war es fast soweit. Zwei Monate noch frei und dann ging es ab nach Apulien zu einer (für die Verhältnisse) wohlhabende Familie. Die Gegend ist nicht reich, das muss man dazu sagen. Die wirtschaftlichen Zentren des Landes liegen im Norden, angeführt Mailand und Turin. Für Nordler ist es eine Qual in den Süden zu ziehen, denn die Lebensqualiität sinkt in vielen Punkten. Darüber ist gerade erst auch eine Komödie in den Kinos erschienen namens "Willkommen im Süden". Im Prinzip ist es die selbe Geschichte, wie bei "Willkommen bei den Sch'tis" in Frankreich (und der Schaffer des frz. Films Dany Boon hat sogar mitgewirkt). Ein Typ wird in den Süden versetzt und verzweifelt deswegen, passt sich aber schnell an und fühlt sich irgendwann zuhause, lügt aber weiter seine Familie an, wie schlimm es sei, weil sie ihm sonst nicht glauben würden.
So ist es auch. Man kommt an, wird herzlich empfangen und die Vorurteile schwinden nach und nach, bis man sich als einer der ihren sieht.
Als ich ankam, war ich unsicher, wie es mir gefallen würde. Meine Gasteltern waren sehr warm und freundlich, als sie mich vom Flughafen abgeholt haben und ihr Auto war schön groß. Perfekt für meine riesigen Koffer. Auf der Fahrt bin ich allerdings skeptisch gegenüber Apulien geworden. Ich hatte mich auf Seiten, wie dieser, vorbereitet und eingelesen. Da wird die Region aber natürlich gepriesen. Das ist mir jetzt auch klar. Damals hat das maßgebend mein Image von Apulien geformt und als ich dann da war und die teils heruntergekommenen Landhäuser und rauhen Straßen gesehen habe, hat mich das etwas überrascht. Wie naiv ich doch war!
Erstmal im Ballungszentrum angekommen, konnte ich wieder durchatmen. Da sah es nicht mehr so schlimm aus. Die Häuser rings umher erinnerten mich auch an diejenigen, die ich zuvor schon beim Stöbern gesehen hatte. Ironischerweise ist eines der Häuser tatsächlich schon eines gewesen, das ich vorab als Ferienhaus gelistet gesehen habe, aber mehr dazu später.
Die erste Arbeitswoche war hart. Am Wochenende waren die Eltern noch da, die sich Mühe gegeben haben deutlich zu sprechen. In der Woche musste ich dann allein auf die nuschelnden Kinder aufpassen, die mir anfangs noch total auf den Keks gegangen sind. Sie mochten das deutsche Essen nicht, welches ich ihnen gekocht habe und waren völlig ungehorsam. Das hat wochenlange Arbeit gebraucht, um die umzuerziehen, aber es hat geklappt. Die Biester wurden zahm, weil ich irgendwann die Wippe zwischen streng und liebenswert raus hatte.
Kleine Übersetzung
- Dolce Vita = Das süße (gute) Leben
- Benvenuto = Willkommen
- Per favore = Bitte
- Grazie = Danke
- La bellezza = die Schönheit
- Puglia = Apulien